Jennybox

Die etwas andere Sicht auf die Welt

Rückblick

(Download als mp3)

Langsam versank die Sonne glutrot im Meer. Es war ein wunderschöner Sonnenuntergang und ich fragte mich, zum wievielten Male eigentlich? Wie oft ich den wohl noch würde genießen können.

Ich saß im Sand, mit den Füßen im Wasser und dachte nach. Über mein Leben und wie es gelaufen war. Hatte ich wirklich alles getan, was ich konnte, um andere glücklich zu machen und selbst glücklich zu sein? Und dann dachte ich zurück an vergangene Jahre. Jahre, die sehr turbulent gewesen waren. Ich dachte an unsere eingeschworene Truppe und wie viel Spaß wir miteinander gehabt hatten. War das wirklich schon vierzig Jahre her? Ich dachte an die kleine Rebecca in ihrem Rollstuhl, die immer sehr leise gesprochen hatte, aber wenn sie was sagte, war es nie banal gewesen. Ich dachte an Jim, den Frauenhelden, der keine auslassen konnte, aber als Freund unschlagbar war. Und ich dachte an Markus. Den lieben, stillen, zurückhaltenden Markus. Er war mein bester Freund und mein ein und alles. Ich seufzte.

Aber wie lange war es her, dass ich sie alle gesehen hatte! In alle Winde hatte es uns zerstreut. Wir hatten bis zum Schluss alle miteinander in Verbindung gestanden, obwohl wir uns nie wiedergesehen hatten. Die Zeit war wohl einfach dagegen.

Ich dachte an meine Tochter, dieses Kind, dass ich dem Leben abgetrotzt hatte. Die fast nicht überlebt hätte. Einen Herzfehler hatte sie bei der Geburt gehabt und so hatte ich sie, kaum dass sie da war, fast wieder verloren. Aber nun war sie eine erwachsene Frau. War selbst Mutter und hatte mich längst zur zweifachen Oma gemacht. Nur den Vater, den durfte ich nie preisgeben, ich liebte ihn über alles, er liebte mich, konnte aber auf Grund seiner Position offiziell nie mehr als ein Freund für mich sein. Ich vermisste ihn, oh ja! Immer noch, nach so langer Zeit! Ich dachte an seine liebevollen Umarmungen, seine Küsse, aber all das war längst vorbei.

Wie hypnotisiert starrte ich auf das Wasser. Ja, ich war glücklich. Letztendlich hatte alles ein gutes Ende genommen und ich durfte gehen.

Langsam stand die alte Mara auf und ging den Strand entlang. Je weiter sie ging, desto jünger sah sie aus … und dann verblasste sie vollends …

ENDE