Jennybox

Die etwas andere Sicht auf die Welt

12 - Endlich Oma!

„Mama? Mama! Maaaamaa, Maaaaaaamaaa!“, brüllte es quer durch das Haus der Q. Es war Saskia, die da durchs Haus brüllte. Jenny schrak zusammen. Sie hatte auf der Terrasse gesessen und wieder mal Musik gehört, als sie ihre jüngste Tochter nach ihr rufen hörte, und das nicht nur verbal, sondern auch telepathisch. Meine Güte, was ist denn jetzt wieder los?, fragte sie sich erschrocken. „Da bist du ja endlich, Mami!“, rief Saskia aufgeregt. „Kind, nu beruhige dich doch erstmal. Was ist denn überhaupt los, warum schreist du so?“, fragte Jenny etwas ungehalten. „Ich komme gerade von der Erde.“, erwiderte Saskia bedeutsam. „Ja, und?“ Jenny verstand nicht sofort, was ihre Tochter von ihr wollte. Aber dann dämmerte es ihr... Sofort machte sich bei Jenny helle Aufregung breit. „Ist es etwa schon soweit?“, fragte sie schnell. Saskia nickte. „Onkel Julian hat gesagt, die zukünftigen Großeltern sollen schleunigst ihren Hintern dorthin bewegen, wenn sie die Geburt der Kleinen miterleben wollen.“, berichtete sie. Hastig überlegte Jenny. Hier im Kontinuum verlief die Zeit ja etwas anders und darum hatte sie ganz vergessen, dass die neun Monate ja bald rum sein mussten. Bis zuletzt waren Simone und Jean-Luc im Kontinuum geblieben, aber weil Simone ihr Kind zu Hause zur Welt bringen wollte, waren die beiden vor einiger Zeit zur Erde in die Vergangenheit zurückgekehrt. Q war gerade mal wieder irgendwo unterwegs, also bat Jenny ihre Jüngste, ihren Vater zu suchen und zur Erde zu schicken, während sie selbst sofort verschwand und im nächsten Augenblick schon die Wohnung ihrer Freunde betrat. „Hallo Jenny, schön, dass du es noch rechtzeitig geschafft hast!“, wurde sie von allen Seiten aufgeregt begrüßt. Nachdem man sie schnell über den aktuellen Stand der Dinge aufgeklärt hatte, verschwand sie im Zimmer ihrer Schwiegertochter um sich zu vergewissern, dass es ihr wirklich gut ging. Stunde um Stunde saßen dann Larissa und Jenny am Bett der mit den Wehen kämpfenden Simone und versuchten, ihr zu helfen, so gut sie konnten. Irgendwann sagte Jenny leise: „Es ist schon irgendwie seltsam, eben noch war sie ein kleines Baby und nun bekommt sie selber eines“. Larissa lächelte. „Du hast Recht, Jenny, die Jahre sind wie im Fluge vergangen“. Endlich, nach langen, bangen Stunden, hörte man einen herzhaften Schrei. Alles jubelte. Glücklich kamen die beiden Großmütter mit der Kleinen im Arm aus dem Zimmer, damit auch der Rest der Familie sie bestaunen konnte. Danach wurde der süße Fratz zurück zu der glücklichen Mutter gelegt und alle anderen setzten sich, da es inzwischen Morgen war, an den Frühstückstisch. Julian grinste seine langjährige Freundin an und fragte scheinheilig: „Na, wie fühlst du dich denn jetzt so, OMA Jenny?“ So gar nicht omahaft streckte diese ihm die Zunge raus und antwortete: „Oh mir gehts prächtig, mein Lieber, aber das wollte ich eigentlich gerade DICH fragen, Opa Julian“, grinste sie breit zurück. Auch Q hatte es noch rechtzeitig geschafft und hatte auch gleich den Rest der Q-Kinder mitgebracht. Er hatte sich gerade an den Tisch gesetzt und wollte genüsslich in ein Rosinenbrötchen beißen, als ihm dieses von Jenny aus der Hand geschnappt wurde, sie sich von der Seite die etwas losen Rosinen klaute und ihm dann das Brötchen mit dem unschuldigsten Grinsen zurückgab. Verblüfft starrte Q auf seine leere Hand: „Also das ist doch......JENNY!“, fing er dann an zu schimpfen. Jenny aber lachte nur übermütig und meinte: „Reg dich bloß nicht auf, Opa Q, ist schlecht für dein Herz, war ja schließlich NUR eine! Aber tröste dich mein Schatz, bei Aldo hab ich das auch schon gemacht.“ Alles lachte mit, während Q sich kopfschüttelnd über die Reste seines Brötchens hermachte. „Nur weil DU jetzt Oma bist, musst du mir aber nicht die Rosinen vom Brötchen klauen“, brummelte er vor sich hin. Dann fiel ihm etwas ein: „Apropos... wie soll die Kleine eigentlich heißen?“ Alles wurde sehr still. Dann fing Jean-Luc, der frischgebackene Papa an zu kichern: „Ähm...Julian... ich glaube, dass erklärst lieber du“. Julian grinste: „Wieso ich? Was hab ich denn damit zu tun? Ich bin nur der Opa, das ist EURE Tochter und das war EURE Idee, ich hab damit nix, aber auch absolut GAR nix zu tun.“, meinte er dann betont ernst. Jenny horchte auf. Diesen Ton kannte sie doch... Deshalb sprach sie langsam: „Julian...mein Freund...was hat das zu bedeuten? Was habt ihr ausgeheckt?“ Julian versuchte verzweifelt, sich ein Lachen zu verkneifen. „Och...nüx...es ist alles in Ordnung.“ Jenny grübelte… und dann plötzlich fiel es ihr wie Schuppen von den Augen. Ruckartig hob sie den Kopf. „Moment mal...moment mal...ihr wollt doch nicht...ihr könnt doch nicht...???? Jean-Luc, sag mir bitte, dass das nicht wahr ist!“, stotterte sie dann. Jean-Luc grinste seine Mutter glücklich an: „Wieso, was denn?“ „Jean-Luc, wie soll die Kleine heißen?“, fragte Jenny alarmiert. Allerdings konnte auch sie sich ein Grinsen nicht verkneifen, da sie ahnte, was kommen würde. Julian lachte nun schallend los: „Also, meine liebe Jenny, die Kleine bekommt den wunderschönen Namen Rosa Leah Q.“ Schnell nahm er seine Freundin dann in den Arm, damit sie nicht umkippte. Jenny sah ihren Sohn entgeistert an, dann gluckste sie: „Das ist doch jetzt nicht wahr, oder? Das könnt ihr der armen Kleinen doch nicht antun!“ Alles lachte. Als man sich einigermaßen wieder beruhigt hatte, sagte Larissa: „Wieso denn, das ist doch ein schöner Name, Jenny, was hast du denn dagegen?“ Jenny stöhnte: „Aber doch nicht ausgerechnet ROSA!“ Julian ging zu Jenny hin, legte ihr eine Hand auf die Schulter, grinste sie breit an und sagte nur: „Ich glaube, DAS wirst du nie wieder los Jenny.“ Resigniert nickte diese. Nachdem alle sich etwas ausgeruht hatten, ging Jenny noch einmal in das Zimmer ihrer Schwiegertochter. Lange sah sie auf die kleine Rosa hinab. Rosa lächelte und Jenny war glücklich. Nun war sie tatsächlich Oma geworden. Leise trat Q neben sie und nahm sie in die Arme. „Nun Oma, was hältst du davon, wenn wir nach Hause verschwinden? Hier wird das nämlich langsam zu voll.“ Jenny nickte schweren Herzens. Sie nahm Larissa und Julian in die Arme und sagte leise: „Ich weiß, dass wir uns jetzt sehr lange nicht wiedersehen werden. Es bahnen sich Probleme an und wir dürfen das Zeitgefüge nicht überstrapazieren. Passt gut auf euch auf!“Dann waren Jenny und Q, und mit ihnen ihre Kinder verschwunden.

ENDE

Oktober 2009