Jennys Blog

Die etwas andere Sicht auf die Welt

Ich dachte, ich wäre taub

Du denkst, du hast viel gesehen, viel erlebt, weißt viel.

Und dann sagt ein Arzt zu dir: „MRT“ und du wünschst dir am Ende, nie herrausgefunden zu haben, was das bedeutet, denn das Wort „mörderisch“ kommt ganz bestimmt darin vor.

13.00 Uhr, Wartezimmer. Ich fühle mich wie ein Schaf, das seinen eigenen Weg zur Schlachtbank unterschreibt. Eine Beruhigungsspritze haben sie mir versprochen, klar. Die mehrere Zeilen langen Beschreibungen der eventuellen Nebenwirkungen der Spritze beruhigen jedenfalls nicht gerade. Ich fange an zu überlegen, ob das vielleicht auch ohne geht.

Schließlich, nach fast einer Dreiviertelstunde Wartezeit, betrete ich den Raum, in dem dieses ominöse Gerät steht. Mich beschleicht das Gefühl, dass ich vielleicht doch zu mutig war, als ich vor wenigen Minuten sagte, ich würde es erst einmal ohne Spritze versuchen. Ich lege mich auf die Liege und schaue auf die über mir aufragende Röhre. Dann geht alles ganz schnell: Kanüle rein in den Arm, ich bekomme Kopfhörer als Lärmschutz, einen komischen Kasten auf den Kopf und schon werde ich in die Röhre gefahren. So weit, so gut.

Und dann geht der Krach los. Hat man nicht gerade was von Lärmschutz gesagt? Ääähm… ich bin ohne Hörgerät fast taub, aber von Lärmschutz merk ich nicht viel. Hach, was waren die Flugzeugmotoren der 747 früher doch leise dagegen! Die versprochene Musik tönt nur ganz leise wie aus weiter Ferne an mein Ohr. Dabei wollte ich versuchen, die Zeit zum Schlafen zu nutzen!

Plötzlich wird mir klar, dass ich gerade unter einem Riesenmagneten liege. Moment! Halt! Was ist, wenn bei diversen OPs irgendwas in meinem Körper vergessen wurde?? Schere, Skalpell, Teelöffel … man weiß ja nie … Mir wurde sicher vorher nicht ohne Grund gesagt, würde ich das Hörgerät nicht herausnehmen, würde das an der Decke kleben. Mir wird ganz komisch zumute, so etwas Ähnliches wie leichte Panik macht sich breit. Ganz ruhig bleiben, schön weiterträumen, gut so!

Wie stark der Magnet wirklich ist, will ich, glaube ich, gar nicht wissen. Genauso wenig wie ich wissen will, wie lange diese „Kontrastflüssigkeit“ in meinem Körper bleibt. Bin ich jetzt ein wandelndes leuchtendes Röntgenskelett?

Der Krach wird immer schlimmer. Ich fühle mich ausgeliefert. Oh, jetzt gibts auch noch einne Rückenmassage gratis dazu. Na immerhin! DAS nenn ich mal beruhigend! Wie lange ich hier wohl schon liege? Nach gefühlten 10 Minuten schließlich ist es endlich still. Herrlich! Ich werde wieder herausgefahren.

Ziemlich benommen klettere ich von der Liege. Am Ende war’s eine knappe halbe Stunde. Mein Zeitgefühl war also schon mal futsch. Ich torkele in den Wartebereich. Ich denke mir: „Nie wieder!“

Und dann steht da ein Kinderwagen, in dem ein kleines Mädchen sitzt und mich anlächelt als wäre nix gewesen und meine Welt ist wieder in Ordnung.

Einen Kommentar schreiben

Copyright © 2017 by: Jennys Blog • Design by: BlogPimp / Appelt Mediendesign • Foto: Pixelio • Lizenz: Creative Commons BY-NC-SA.