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Floskelwolken am Internethimmel

In diesen Tagen macht im Netz die Floskelwolke die Runde, als gäbe es nichts Wichtigeres auf der Welt. Nun, ohne Zweifel ist es durchaus interessant, was dort ausgegraben wird und bei einigem mag man ihnen ja sogar Recht geben. Doch andere Floskeln, wie z. B. „Menschen evakuieren“, „Datendiebstahl“ oder „Grünes Licht“ wurden völlig zu Recht von Fehler-Haft.de als durchaus legitime Redewendungen entlarvt. Und so entsteht zur Zeit eine sehr unterhaltsame und nachdenklich machende Diskussion zum Thema Floskeln auf Twitter unter dem Hashtag #floskelwolke.

Doch ist es wirklich so dramatisch, wenn davon die Rede ist, dass ein Ereignis Tote gefordert hat und Menschen evakuiert werden mussten? Sollte der Journalismus sich nicht lieber mal damit beschäftigen, wahre Geschichten zu erzählen, statt versehentlich in den Fokus der Öffentlichkeit geratene Menschen mit ihren halbwahren, aufgebauschten reißerischen Artikeln zu verheizen und dann auch noch so viele Rechtschreibfehler hineinzupacken, dass man manchmal beim Lesen wirklich ins Stocken gerät? Mal davon abgesehen, dass nüchterne Texte ohne jegliche Floskeln nicht mehr als reine Information wären und damit kaum jemand behalten würde, was er da liest.

Floskeln bereichern die Sprache und sind ganz sicher nicht mehr wegzudenken, egal aus welchem Bereich. Die Sprache aber ist im Wandel, in 100 Jahren wird wohl niemand mehr die Floskeln von heute verstehen. Diejenigen Floskeln, die eine übertragene Bedeutung darstellen, sind außerdem vielfältig deutbar, man kann gewissermaßen mit ihnen „spielen“. Was wäre die Sprache ohne diese Möglichkeit? Hinzu kommen die Redewendungen und Floskeln, die aus anderen Sprachen eingedeutscht werden, die sicher nicht immer optimale Übersetzungen sind, sich aber in der Umgangssprache etabliert haben.

Nicht umsonst ist es Schreibenden so leicht möglich, Missverständnisse zu schaffen, weil Sprache nun einmal auslegbar ist und es oft keine Rolle spielt, wie etwas gemeint war, sondern wie es beim Leser ankommt.

2 Reaktionen zu “Floskelwolken am Internethimmel”

  1. dws

    Nachrichtenmeldungen haben sachlich zu sein, und da stört die Verwendung von floskelhafter Sprache, darum geht es und damit hat die Floskelwolke durchaus Recht. Nachrichten haben sich einer nüchternen Sprache zu bedienen. Das heißt aber nicht, dass es nun gar keine Phrasen mehr in den Nachrichten geben sollte – und falsches Deutsch sind Floskeln deshalb auch nicht. Die Begründungen, warum etwas „falsch“ sei, ist bisweilen hanebüchen, die Floskelwolke vermischt teilweise die Kritik an Flokseln in Nachrichten mit genereller, oberflächlicher Sprachkritik an einzelnen Begriffen. Darum geht es letztlich.

  2. Floskelwolke: Pressespiegel | Sebastian Pertsch

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