Jennys Blog

Die etwas andere Sicht auf die Welt

König der Fußgängerzonen

Morgens, es ist etwa 6.30 Uhr, die Sonne ist vor kurzem aufgegangen und taucht die gerade, menschenleere Straße in helles Licht. Nur hin und wieder mal kommt ein Motorrad, Auto oder Traktor vorbei. Ansonsten habe ich die Straße für mich allein. Das ist meine schönste Erinnerung an die Zeit, als ich noch Fahrrad gefahren bin, ganz früher, mein Schulweg, in Paraguay, wo es keinen Fahrradweg in dem Sinne gab und man bei einem entgegenkommenden Rad nicht befürchten musste, dass der Platz nicht ausreicht, um aneinander vorbei zu kommen. Ich habe aus den 13 Jahren nicht unbedingt haufenweise schöne Erinnerungen an Paraguay, aber das ist definitiv eine davon.

Und so denkt man sich, Fahrradfahrer sind doch eigentlich ganz nette Menschen, oder? Immerhin schonen sie die Umwelt, indem sie auf zwei Rädern durch die Straßen fahren, statt die Umwelt mit Autoabgasen zu verpesten und sie haben beim Kauf des Rades sicher weniger Geld hingelegt, als dies ein Autofahrer generell muss und sie brauchen keine großen Parkplätze.

Doch dann steht man irgendwann auf der anderen Seite. Man ist nicht mehr Fahrradfahrer, sondern Fußgänger, und damit das Opfer der Fahrradfahrer. Ja, Fahrradfahrer sind ganz nett, bis – bis man in eine Fußgängerzone kommt und feststellt, dass die meisten Fahrradfahrer sich für die Könige der Fußgängerzone halten. Mit einem Tempo, als würden sie ihrem Leben hinterherhecheln, rasen sie durch die Fußgängerzone, als würde sie ihnen gehören und es gäbe kein Morgen mehr. Rücksichtslos werden die Leute oft über den Haufen gefahren, wenn sie nicht rechtzeitig zur Seite sprinten. Hat man das Pech, schwerhörig oder sehbehindert zu sein, spürt man im besten Fall gerade noch den Luftzug des Vorbeirasenden, im schlimmsten Fall hat man weder Klingel noch Rad gehört, läuft direkt ins Rad und darf sich dann noch Sätze anhören wie: „Kannst du nicht gucken?!“ Man sagt dazu schon lange nichts mehr und denkt bei sich: „DU bist doch derjenige mit den gesunden Augen und dem schnellen Rad, nicht ich!“ Und nein, außerhalb der Fußgängerzonen sind sie nicht besser, nur da rechnet man eher damit, plötzlich ein Rad im Rücken zu haben.

Über Sinn und Unsinn von Fahrradklingeln sollte man sich lieber nicht aufregen. Entweder sind sie so leise, dass man sie gar nicht wahrnimmt, oder so laut, dass man bei ihrem Klingeln regelrecht zusammenzuckt, doch bis man herausgefunden hat, aus welcher Richtung die kam, ist der Radfahrer schon an einem vorbeigerast.

Liebe Radfahrer, wenn ihr euch mal wieder über die Autofahrer aufregt, dann denkt doch bitte mal zwei Sekunden lang darüber nach, dass auch ihr ein bisschen rücksichtsvoller den Fußgängern gegenüber sein könntet.

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