Jennys Blog

Die etwas andere Sicht auf die Welt

Verlust auf Raten

Die Suche nach Unsterblichkeit ist so alt wie die Menschheit. Aber wäre sie wirklich so erstrebenswert? Würde ein Mensch wirklich langfristig damit fertig werden, unsterblich zu sein? Wer an Unsterblichkeit denkt, denkt immer an all die Möglichkeiten, die das bieten würde: man könnte so viel Wissen anhäufen wie man wollte, man könnte all die Dinge sehen, die man in einem normalen Leben nie schaffen würde, alle Bücher lesen die es wert sind gelesen zu werden usw. Aber wie sehen die Nachteile aus? Gäbe es überhaupt Nachteile? Ich behaupte: ja.

Wer Atlans Zeitabenteuer, eine Buchserie aus dem Perry Rhodan-Universum, liest, dem werden die Nachteile sehr schnell deutlich. Atlan ist zwar kein Unsterblicher in dem Sinne, er kann durchaus sterben, wenn er verletzt wird, aber ein Gerät, nämlich der Zellschwingungsaktivator, den er von einem Wesen namens ES bekommen hat, verhindert das Altern und heilt Verletzungen bis zu einem gewissen Grad. Dies ermöglicht dem auf der frühen Erde Gestrandeten, tausende von Jahren zu überleben und nebenbei als Hüter der Menschheit zu agieren (gibt es eigentlich eine wichtige Epoche in der Geschichte, wo er mal nicht seine Finger im Spiel hat? :-D ). Er verbringt große Zeitspannen im Tiefschlaf, was zusätzlich zu seiner potentiellen Unsterblichkeit beiträgt. Das bedeutet aber auch immer wieder Abschied von Menschen, die ihm etwas bedeuten. Ganze Generationen ziehen an ihm vorüber und immer wieder muss er sich neue Freunde suchen, weil die alten längst verstorben sind.

Und genau das wäre das größte Problem. Man stelle sich vor: die eigene Familie, die Freunde, alle werden alt und sterben. Das gilt indessen nicht nur für die eigenen Kinder, sondern auch für Enkel, Urenkel usw. Irgendwann ist dann niemand mehr da, zu dem man noch einen Bezug hat. Irgendwann hat man alles gesehen, was man sehen wollte, alle Facetten des menschlichen Lebens durchlebt, alle Bücher gelesen. Was dann? Langeweile und vor allem Einsamkeit wären die Folge. Und irgendwann käme der Mensch an einem Punkt, wo er sich wünscht, sterben zu dürfen, damit die ewig wiederkehrende Qual, denn auch neu gewonnene Freunde, vielleicht neu gegründete Familien sterben irgendwann, ein Ende hat.

Man sollte sich das vielleicht in etwa so vorstellen wie es Menschen ergeht, die oft umziehen oder gar von Land zu Land wandern. Gerade wer immer wieder ausgewandert ist, dürfte das gut nachvollziehen können. Man lässt überall, wo man wegzieht, Freunde zurück. Ist die Entfernung entsprechend groß, sieht man diese Freunde vielleicht nie wieder. Am Anfang ist der Kontakt noch intensiv, weil man z.B. den Tagesablauf des anderen noch nachvollziehen kann und solange keine neuen Bindungen da sind, diese Kontakte auch braucht. Aber im Laufe der Zeit lebt man sich auseinander. Jeder lebt sein Leben und je drastischer sich das Leben des Einen vom Leben des Anderen unterscheidet, je weniger hat man sich auch irgendwann zu erzählen, weil der Eine vom Leben des Anderen kaum mehr Ahnung hat. Manchmal müssen die Veränderungen nicht einmal so drastisch wie Auswandern sein. Andere Freunde, die man sich sucht, um die Lücke zu füllen, die der Eine hinterlassen hat, ein Kind, das plötzlich den kompletten Tagesablauf bestimmt, ein neuer Job mit neuen Kontakten oder einfach nur ein neuer Partner können die eigenen Prioritäten derartig verschieben, dass Freunde aus dem Leben „davor“ plötzlich an Bedeutung verlieren. Sie werden zwar nicht vergessen, aber der Gedanke an sie gerät in den Hintergrund, weil Anderes in dem Moment vorrangig ist.

Die Folge: der Kontakt zueinander nimmt ab, wird immer weniger und irgendwann bricht er dann ganz ab. Und am Ende weiß keiner, warum eigentlich. Und wieder hat man auf seinem Weg einen Menschen (aus den Augen) verloren.

Die meisten Menschen akzeptieren das als den Lauf der Welt. Man geht ein paar Jahre den selben Weg und dann trennen sich die Wege wieder und den Platz der alten nehmen neue Freunde ein. Aber nicht jeder Mensch ist ersetzbar, auch wenn das viele gerne glauben und nicht jede Lücke kann geschlossen werden. Und ein Unsterblicher? Für ihn wäre die oben geschilderte Situation weit extremer. Wäre das auf Dauer wirklich zu ertragen?

Mal gut, dass Unsterblichkeit nichts weiter ist als ein Hirngespinst derer, die einfach nicht einsehen wollen, dass sie nicht besser sind als jeder normale Mensch. :-)

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